🏁 Ratgeber für Fahrer, Teams und Sponsoren
Was Motorsport-Sponsoring kostet.
Und welche Flächen gar nicht zu verkaufen sind.
Im Verein fragt ein Sponsor, was die Bande kostet. Am Rennfahrzeug gibt es diese eine Fläche nicht: Startnummernträger, Sperrzonen und Promoter-Flächen sind reglementiert, bevor der erste Aufkleber klebt. Wer im Motorsport einen Preis nennt, muss deshalb zuerst sagen, was er überhaupt verkauft. Hier stehen beide Hälften – die Beträge und die Regeln.
Profil erstellen Zu den PaketpreisenAusgangslage
Die Spanne ist groß,
weil es nicht eine Fläche gibt.
Trikotsponsoring lässt sich in einer Zeile beantworten: eine Brust, ein Preis, eine Saison. Ein Rennfahrzeug hat Haube, Türen, Kotflügel, Heck, Dach, Scheiben, dazu Overall, Helm, Teamkleidung, Transporter, Zelt und Serviceplatz. Jede dieser Flächen ist ein eigenes Produkt mit eigenem Preis, und einige davon gehören gar nicht dem Team.
Deshalb scheitern Gespräche im Motorsport seltener am Betrag als an der Frage, wofür der Betrag eigentlich steht. Ein Sponsor, der "5.000 € Saisonbudget" hört, hat kein Bild. Ein Sponsor, der hört, dass 600 € die Reifen für vier Rennwochenenden decken und sein Logo dafür auf beiden Türen steht, hat eins.
Es sind Angebotspreise aus dem deutschen Breitensport-Motorsport – also das, was Fahrer und Teams aufrufen, nicht das, was am Ende im Vertrag steht. Verhandelt wird fast immer. Die Werte je Disziplin stehen auf der jeweiligen Seite, Stand August 2026.
Paketpreise
Was die einzelnen
Kostenblöcke kosten.
Sortiert nach dem, was ein Sponsor tatsächlich bekommt – nicht nach Disziplin. Die Spannen fassen alle neun Disziplinen zusammen; wo eine Disziplin deutlich abweicht, steht es in der Zeile.
| Was verkauft wird | Wofür es steht | Betrag | Bezug |
|---|---|---|---|
| Kleines Logo am Fahrzeug | Aufkleber an Kotflügel, Heck oder Scheibe. Der übliche Einstieg für einen ersten Partner. | 250–1.200 € | pro Saison |
| Logo auf Teamkleidung | Shirt, Softshell, Crewjacke. Wirkt im Fahrerlager und auf jedem Foto mit Menschen darauf. | 250–1.200 € | pro Saison |
| Rennanzug, Overall oder Helm | Am nächsten am Gesicht, deshalb im Portrait und im Interview sichtbar. | 500–5.000 € | pro Saison |
| Tür- oder Haubenfläche | Die größte einzelne Fläche, die frei verkäuflich ist. Achtung Sperrzone, siehe unten. Was das Bekleben selbst kostet, kommt hinzu. | 750–4.000 € | pro Saison |
| Material- und Reifenzuschuss | Als Geld oder Sachleistung. Der ehrlichste Block, weil der Sponsor sieht, wofür er zahlt. | 300–5.000 € | pro Saison |
| Transport und Logistik | Transporter, Anhänger, Sprit für die Anreise. Häufig ein Partner aus der Region. | 750–6.000 € | pro Saison |
| Einzelnes Rennwochenende | Ein Termin statt einer Saison. Gut für einen Testlauf mit einem neuen Partner. | 300–2.500 € | pro Event |
| Content- und Videopaket | Bilder, Onboard-Material, Kurzberichte. Wird häufig unterschätzt und zu billig verkauft. | 500–5.000 € | pro Saison |
| Paddock, Zelt und Serviceplatz | Banner, Zeltfläche, Präsenz vor Ort. Wirkt auf Gäste, Helfer und andere Teams. | 500–7.500 € | pro Saison |
| Regionaler Saison-Hauptpartner | Namensnennung, größte Flächen, Exklusivität in der Branche. Die Obergrenze zieht der Formelsport. | 3.000–20.000 € | pro Saison |
💡 Die Spannen sind breit, und das ist kein Ausweichen. Ein Kart-Nachwuchsprojekt und ein GT-Team an derselben Strecke unterscheiden sich um den Faktor zehn. Was den Preis bewegt, sind Anzahl der Termine, Qualität der Bilder, Größe des Fahrerlagers und ob es die Fläche schon einmal in einem Bericht zu sehen gab.
Nach Disziplin
Vom Einstieg bis
zum Hauptpartner.
Je Disziplin das günstigste und das teuerste Paket, das auf der jeweiligen Seite angeboten wird. Der Abstand dazwischen ist die eigentliche Aussage: Fast überall gibt es einen Einstieg unter 1.000 €.
| Disziplin | Einstiegspaket | Größtes Paket | |
|---|---|---|---|
| Kartsport | 250–1.000 € | 5.000–15.000 € | Zur Disziplin → |
| Motocross | 150–600 € | 3.000–12.000 € | Zur Disziplin → |
| Motorrad | 250–1.000 € | 5.000–20.000 € | Zur Disziplin → |
| Oldtimer-Rallyes | 100–500 € | 7.500–20.000 € | Zur Disziplin → |
| Drifting | 250–1.000 € | 3.000–12.000 € | Zur Disziplin → |
| Rallye | 300–1.000 € | 5.000–20.000 € | Zur Disziplin → |
| Tourenwagen & GT | 300–1.200 € | 5.000–20.000 € | Zur Disziplin → |
| Langstrecke | 250–1.000 € | 10.000–25.000 € | Zur Disziplin → |
| Formelsport | 500–2.000 € | 10.000–35.000 € | Zur Disziplin → |
Der Formelsport zieht die Obergrenze, die Oldtimer-Rallyes die Untergrenze. Das ist keine Wertung: Ein Etappenstopp-Partner bei einer Classic-Ausfahrt bekommt eine andere Leistung als ein Monoposto-Technikpartner, und beides ist ein sinnvolles Sponsoring.
Das Reglement
Die Flächen, die Du
gar nicht verkaufen darfst.
Der häufigste Fehler im Motorsport-Sponsoring ist eine Zusage, die am Renntag nicht gehalten werden kann: Das Logo sollte auf die Tür, und dort ist kein Platz. Die folgenden Vorgaben stammen aus dem DMSB-Rallye-Reglement 2026 und gelten für DMSB-genehmigte Rallyes. In anderen Disziplinen gelten eigene, aber vergleichbare Regeln.
Startnummernschilder an den Vordertüren
67 cm breit, 17 cm hoch, einschließlich 1 cm weißer Einfassung. Die Ziffern sind fluoreszierend gelb, 14 cm hoch, 2 cm Strichstärke. Der restliche Teil dieser Schilder ist für die Werbung des Veranstalters reserviert – nicht für Deine Sponsoren. Alternativ erlaubt die nationale Regelung Ziffern von 28 cm Höhe auf weißem Rechteck von maximal 50 × 38 cm. (Art. 27.2.1)
Die 10-cm-Sperrzone
Außer dem Farbmuster des Fahrzeugs darf sich kein Zeichen innerhalb von 10 cm zum Startnummernschild befinden. Das ist die Regel, an der die meisten Beklebungspläne scheitern, weil die Tür optisch groß aussieht und nach Abzug von Schild und Sperrzone deutlich schrumpft. (Art. 27.2.3)
Flächen des Serien-Promoters
Der Serien-Promoter kann sich zwei weitere Bereiche vorbehalten: eine Fläche von 15 cm Höhe über die volle Breite der Windschutzscheibe unterhalb der Teilnehmerfläche, und eine von 6 cm Höhe und 67 cm Breite unmittelbar unter dem Startnummernträger auf den Türen. (Art. 29.5.1)
Pflichtwerbung im Identifikationsmaterial
Werbung innerhalb des vom Veranstalter gestellten Materials ist zwingend vorgeschrieben und kann nicht abgelehnt werden. Änderungen daran sind nicht erlaubt. Wer einem Sponsor Branchenexklusivität zusagt, sollte das wissen. (Art. 27.1.2)
Fahrer- und Beifahrernamen
Auf den hinteren Seitenscheiben stehen Anfangsbuchstabe des Vornamens und Nachname, weiß, Helvetica, 6 cm Großbuchstabenhöhe, 1,0 cm Strichstärke. Der Fahrername steht oben. Auch diese Fläche ist damit belegt. (Art. 28.1)
Allgemeine Grenzen
Werbung am Fahrzeug muss nach nationalem Recht sowie den Bestimmungen von FIA und DMSB zulässig sein, darf nicht anstößig und nicht politischer oder religiöser Natur sein und die Sicht der Crew durch die Scheiben nicht behindern. (Art. 29.1)
Der Sonderfall
Die Regel, die Deinen
Reifenpartner schützt.
Der Veranstalter kann Bewerber auffordern, zusätzlich eine freiwillige Werbung anzubringen. Lehnst Du ab, darf das Nenngeld dafür höchstens verdoppelt werden, und der Aufschlag ist auf 2.000 € gedeckelt (Art. 29.4.1). So weit die bekannte Hälfte.
Die zweite Hälfte steht in Art. 29.4.2 und wird selten zitiert: Bezieht sich die freiwillige Veranstalterwerbung auf eine Automobilmarke, Reifen, Kraftstoff oder Öl, darf bei Ablehnung überhaupt kein zusätzliches Nenngeld berechnet werden.
Praktisch heißt das: Wer einen Reifenhändler, eine Werkstatt, einen Kraftstoff- oder Schmierstoffpartner gewonnen hat, kann konkurrierende Veranstalterwerbung aus derselben Warengruppe kostenfrei ablehnen. Das ist der reglementarische Ersatz für eine Branchenexklusivität, die in Sponsoringverträgen oft gefordert, aber selten sauber geregelt wird – und ein Argument, das im Gespräch mit genau diesen Partnern wirkt.
Wer die freiwillige Werbung dagegen annimmt, muss die in der Ausschreibung genannten Flächen freihalten; Änderungen an den Aufklebern sind nicht erlaubt (Art. 29.4.3). Auch diese Flächen gehen also von dem ab, was Du verkaufen kannst.
Sachleistung
Reifen statt Geld –
und die Falle dabei.
Anders als im Vereinssport ist Sachsponsoring im Motorsport oft die naheliegendere Form. Die Hauptkostenblöcke sind Reifen, Verschleißteile, Wartung und Transport, und genau das kann ein Werkstatt-, Reifen- oder Materialbetrieb zu Selbstkosten leisten. Der Betrieb gibt weniger aus, als das Team an Wert bekommt. Die angebotenen Sachleistungspakete reichen von 100 bis 8.000 € Gegenwert.
Was dabei regelmäßig übersehen wird: Fließt eine Werkstatt- oder Materialleistung gegen eine Werbeleistung, ist das kein Geschenk, sondern ein tauschähnlicher Umsatz. Beide Seiten erbringen eine Leistung, beide rechnen sie ab, und die Umsatzsteuer bemisst sich am Wert der jeweiligen Leistung. Das ist beherrschbar, wird aber häufig übersehen; die Beurteilung im Einzelfall gehört zur Steuerberatung. Der Rahmen dazu steht unter Sponsoring steuerlich absetzen.
Für die Preisgestaltung heißt das: Ein Sachleistungspaket sollte denselben Gegenwert ausweisen wie ein Geldpaket mit derselben Gegenleistung. Wer Reifen im Wert von 1.500 € bekommt und dafür die Türfläche gibt, sollte diese Türfläche nicht gleichzeitig für 800 € in Geld anbieten.
Praxis
In vier Schritten
zu einem Preis, der hält.
1. Kostenblöcke einzeln ausrechnen
Nenngeld, Reifen, Verschleiß, Transport, Streckenmiete, Kleidung, Übernachtung. Getrennt, mit echten Zahlen aus der letzten Saison. Wer das nicht hat, sammelt es eine Saison lang – das ist die Grundlage für alles Weitere.
2. Die verkäuflichen Flächen ausmessen
Erst nach Abzug von Startnummernschild, Sperrzone und Promoter-Flächen. Am besten am Fahrzeug mit Maßband, nicht am Bildschirm. Was übrig bleibt, ist das Sortiment.
3. Drei Pakete schneiden, nicht zwölf
Ein kleines, ein mittleres, ein Hauptpaket. Zu jedem gehört: Fläche, Laufzeit, Anzahl der Termine, Bild- und Videonutzung, Nennung in Social Media. Ein Sponsoringkonzept ist genau diese Auflistung, nur ausformuliert.
4. Schriftlich festhalten, was wann geliefert wird
Der häufigste Grund, warum ein Sponsor nach einer Saison nicht verlängert, ist nicht der Preis, sondern ausbleibende Rückmeldung. Bilder nach dem Rennen, Ergebnis, ein kurzer Bericht. Was dazu in einen Vertrag gehört, steht im Sponsoringvertrag-Muster, die Pflege danach unter Sponsorenpflege.
Für Unternehmen
Was ein Betrieb
dafür bekommt.
Für ein Autohaus oder eine Kfz-Werkstatt ist Motorsport der Bereich, in dem die eigene Leistung zur Gegenleistung wird: Wartung, Reifen, HU-Vorbereitung und Transport sind das, was ein Team ohnehin braucht. Für Handwerksbetriebe und kleine und mittlere Unternehmen zählt eher das Fahrerlager: ein Ort, an dem Gespräche entstehen und man Gäste hinbringen kann.
Wer den umgekehrten Weg gehen und gezielt suchen will, findet den Einstieg unter Motorsport sponsern. Für Unternehmen sind Suche, Profil und der vollständige Nachrichtenaustausch auf findasponsor kostenlos.
Häufige Fragen
Fragen zu Kosten
im Motorsport-Sponsoring.
Fragen zu findasponsor
Woher die Angaben stammen
- Paketpreise: Angebotspreise aus dem deutschen Breitensport-Motorsport, Stand August 2026 – keine abgeschlossenen Verträge und keine Marktstudie. Die Werte je Disziplin stehen auf der jeweiligen Seite.
- Flächen, Maße und Sperrzonen: DMSB-Handbuch 2026, grüner Teil, DMSB-Rallye-Reglement, Stand 18.12.2025, Artikel 27, 28 und 29. Gültig ab 1. Januar 2026.
- Freiwillige Veranstalterwerbung und Nenngeld-Obergrenze: ebenda, Artikel 29.4.1 bis 29.4.3.
- DMSB Sponsor-Card: DMSB-Lizenzbestimmungen, Artikel 38 Absatz 1, in Verbindung mit dem DMSB-Veranstaltungsreglement und Art. 22.1 des Rallye-Reglements.
- Herausgeber der Regelwerke: Deutscher Motor Sport Bund e.V. (DMSB), dmsb.de.
Die Reglementsangaben gelten für DMSB-genehmigte Veranstaltungen. Bei Wettbewerben mit FIA-Prädikat gehen die FIA-Bestimmungen vor. Clubsport, markenoffene Trackdays und nicht DMSB-genehmigte Formate unterliegen ihnen nicht. Regelwerke werden jährlich überarbeitet – vor einer Zusage an einen Sponsor gilt die Ausschreibung der konkreten Veranstaltung.