Für Handwerksbetriebe
Werbung für Handwerker:
Was wirklich Aufträge bringt.
Sechs Kanäle, sortiert nach dem, was sie pro eingesetztem Euro bringen. Mit Kosten, Aufwand – und der Einordnung, welches Gewerk was braucht.
Die meisten Handwerksbetriebe stellen die Frage falsch herum. Sie fragen „soll ich Google Ads machen?", bevor die Dinge laufen, die nichts kosten. Und sie fangen bei bezahlter Werbung an, obwohl die Hälfte ihrer Neukunden ohnehin über Empfehlung kommt – ohne dass jemals jemand versucht hätte, diesen Kanal systematisch zu nutzen.
Die Reihenfolge unten ist deshalb keine Rangliste nach Wirkung, sondern nach Wirkung pro eingesetztem Euro. Wer von oben nach unten arbeitet, gibt weniger aus und bekommt mehr.
Ein zweiter Punkt, der Handwerk von anderen Branchen unterscheidet: Werbung muss hier oft zwei Dinge gleichzeitig leisten – Aufträge bringen und Personal. Wer nur auf Aufträge optimiert, wundert sich in drei Jahren, warum keine Bewerbungen kommen.
Die Reihenfolge
Sechs Kanäle –
von oben nach unten abarbeiten.
Die ersten drei kosten wenig bis kein Geld und werden trotzdem am häufigsten liegen gelassen.
Google-Unternehmensprofil
Wer „Elektriker in der Nähe" sucht, bekommt zuerst die Kartenergebnisse – vor allen Anzeigen. Vollständige Leistungen, aktuelle Fotos von echten Baustellen, gepflegte Öffnungszeiten und beantwortete Bewertungen entscheiden dort über die Platzierung. Der wirksamste einzelne Hebel: Bitte jeden zufriedenen Kunden aktiv um eine Bewertung, am besten direkt bei der Abnahme. Zehn ehrliche Bewertungen schlagen jedes Werbebudget.
Empfehlungen systematisch nutzen
Im Handwerk kommt ein großer Teil der Aufträge über Weiterempfehlung – aber fast nie, weil jemand aktiv darum gebeten hat. Konkret heißt systematisch: eine kurze Nachfrage zwei Wochen nach Abnahme, ob alles hält. Eine kleine Prämie oder ein Nachlass für vermittelte Kunden. Und eine Visitenkarte mehr dalassen als nötig. Das kostet fast nichts und hat die beste Abschlussquote von allem auf dieser Seite.
Fahrzeugbeschriftung und Bauschild
Einmal bezahlt, jahrelang sichtbar – und der einzige Kanal, der arbeitet, während Du arbeitest. Ein Transporter im täglichen Einsatz erzeugt über seine Lebensdauer mehr lokale Kontakte als die meisten Kampagnen. Dasselbe gilt für ein Schild an gut sichtbaren Baustellen: Nachbarn, die sehen, wer da seit drei Wochen sauber arbeitet, sind die wärmsten Interessenten überhaupt. Der klassische Fehler ist zu viel Text. Firmenname, Gewerk, Telefonnummer. Mehr liest im Vorbeifahren niemand.
Suchanzeigen bei akutem Bedarf
Stark bei allem, was nicht warten kann: Rohrbruch, Heizungsausfall, Stromausfall, Sturmschaden. Hier wird gesucht, und wer nicht sichtbar ist, existiert nicht. Bei planbaren Arbeiten ist die Wirkung schwächer, weil die Suche seltener und unspezifischer ist. Klickpreise im Handwerk liegen je nach Gewerk und Region etwa zwischen 1,50 und 6 €, in Ballungsräumen darüber. Ohne gepflegte Ausschlussliste geht ein erheblicher Teil des Budgets für unpassende Suchbegriffe drauf – „Handwerker Gehalt" wird sonst mitbezahlt.
Lokales Sponsoring
Bandenwerbung, Trikotlogo oder Präsenz beim Vereinsfest. Fester Saisonpreis statt Auktion, Sichtbarkeit über Monate statt über eine Kampagnenlaufzeit. Für Handwerk besonders relevant wegen des Doppeleffekts: Der Verein empfiehlt Dich implizit weiter, und Eltern nehmen wahr, wer den Verein ihrer Kinder unterstützt – das zahlt auf die Suche nach Azubis ein. Als Betriebsausgabe nach § 4 Abs. 4 EStG abziehbar, wenn eine Werbegegenleistung schriftlich vereinbart ist. Schwäche: kaum messbar, und wer heute Aufträge braucht, hat morgen keine.
Anzeige im Lokalteil
Für Zielgruppen ab etwa fünfzig weiterhin wirksam, vor allem bei erklärungsbedürftigen Leistungen wie energetischer Sanierung, Badumbau oder Förderthemen. Auch für Stellenanzeigen sinnvoll, weil sie Menschen erreicht, die nicht aktiv auf Jobportalen suchen. Nachteil: wirkt an einem Tag und ist danach Altpapier. Sinnvoll für Anlässe, nicht als Dauerkanal.
Nicht jedes Gewerk gleich
Was Dein Gewerk
tatsächlich braucht.
Der größte Unterschied liegt darin, ob Deine Kunden akut oder geplant suchen. Danach richtet sich, wo das Budget hingehört.
| Gewerk | Nachfrage | Schwerpunkt |
|---|---|---|
| Sanitär, Heizung, Klima | überwiegend akut | Suchanzeigen zuerst, Unternehmensprofil zwingend. Umkämpftestes Segment im Handwerk – Klickpreise entsprechend hoch, Ausschlussliste unverzichtbar. |
| Elektro | gemischt | Suchanzeigen für Störungen, Empfehlungen und Sponsoring für Neubau und Sanierung. |
| Maler, Bodenleger | überwiegend geplant | Empfehlungen und Referenzfotos tragen am meisten. Bauschilder wirken hier besonders gut, weil das Ergebnis sichtbar ist. |
| Dachdecker | gemischt, saisonal | Suchanzeigen nach Unwettern, sonst lokale Bekanntheit. Fahrzeuge und Gerüstbanner sind weithin sichtbar. |
| Tischler, Innenausbau | geplant, hohe Auftragswerte | Referenzen und Empfehlungen. Bei hohen Auftragswerten lohnt auch Print im Lokalteil, weil Seriosität mitverkauft wird. |
| Garten- und Landschaftsbau | geplant, stark saisonal | Vorlauf im Frühjahr. Sponsoring und Bauschilder wirken hier gut, weil Nachbarn Ergebnisse sehen. |
| Schlüsseldienst, Notdienste | rein akut | Fast ausschließlich Suchanzeigen und Unternehmensprofil. Sponsoring bringt hier wenig – niemand merkt sich bei einem Notfall eine Bande. |
Einordnung nach typischer Nachfragestruktur, kein Automatismus – ein Malerbetrieb mit Notdienst für Wasserschäden liegt anders als einer ohne.
Der zweite Zweck
Werbung, die auch
Azubis bringt.
Für viele Handwerksbetriebe ist Personal inzwischen der härtere Engpass als Aufträge. Und dabei gilt eine Regel, die in keinem Marketing-Ratgeber steht: Die Berufswahl im Handwerk läuft über das Umfeld – Eltern, Verwandte, Trainer, Nachbarn. Die kennen vor allem Betriebe, die sie im Ort wahrnehmen.
Das verschiebt die Bewertung der Kanäle. Eine Suchanzeige erreicht niemanden, der gerade nicht sucht. Ein Trikot mit Deinem Logo auf der D-Jugend sehen jede Woche vierzig Elternpaare – ein Jahr lang. Wenn deren Sohn oder Tochter zwei Jahre später über eine Ausbildung nachdenkt, ist Dein Name schon da.
- Sponsoring von Jugendmannschaften statt der ersten Herren – dort sind die Eltern
- Beschriftete Fahrzeuge, die im Ort täglich unterwegs sind
- Bauschilder an Baustellen, die ordentlich aussehen
- Echte Fotos vom Team im Google-Profil, nicht nur vom Firmenschild
- Stellenanzeigen im Lokalteil – erreicht die Eltern, nicht nur die Jugendlichen
Das ist kein schneller Kanal. Wer in zwei Monaten einen Gesellen braucht, löst das nicht über Sponsoring. Wer in drei Jahren noch ausbilden will, fängt jetzt an.
Budget
Was ein Betrieb
realistisch ausgibt.
Orientierung: 2–5 % vom Jahresumsatz für etablierte Betriebe, mehr in der Aufbauphase. Wichtiger als die Höhe ist die Aufteilung – und dass die kostenlosen Kanäle vorher laufen.
| Werbebudget gesamt (3 %) | 18.000 €/Jahr |
| Suchanzeigen (ca. 700 €/Monat) | 8.400 € |
| Fahrzeugbeschriftung (2 Fahrzeuge, auf 5 Jahre verteilt) | 800 € |
| Sponsoring: 2 Vereine, davon eine Jugendmannschaft | 2.400 € |
| Website-Pflege und Fotos | 3.000 € |
| Empfehlungsprämien | 1.400 € |
| Reserve (Anzeigen zu Anlässen, Stellenausschreibung) | 2.000 € |
Modellrechnung zur Orientierung, kein Richtwert. Bei einem Notdienst-Schwerpunkt würde der Anzeigenanteil deutlich höher liegen, bei reinem Sanierungsgeschäft niedriger. Mit eigenen Zahlen rechnen →
Häufige Fragen
Werbung im Handwerk –
kurz beantwortet.
Quellen & Methodik
Woher die Zahlen stammen.
- Klickpreise Handwerk (ca. 1,50–6 €): Erhebungen deutscher Agenturen für 2026 nennen für Handwerk Spannen von etwa 1,50–3,50 € bzw. 2–6 €, mit deutlich höheren Werten in Ballungsräumen und im SHK-Bereich.
- Anzeigenpreise Lokalteil: branchenübliche Spannen; verbindlich ist die Preisliste des jeweiligen Verlags.
- Beschriftungskosten: marktübliche Preise für Fahrzeugfolierung je nach Umfang und Fahrzeuggröße.
- Sponsoringpreise: aus den aktuell im findasponsor-Verzeichnis gelisteten, öffentlich sichtbaren Angeboten mit hinterlegtem Preis – über die Suche nachzählbar.
So prüfst Du die Klickpreise für Dein Gewerk selbst: Der Google Keyword Planner zeigt die tatsächlichen Gebotsspannen für Deine Suchbegriffe in Deiner Region – kostenlos mit einem Google-Ads-Konto, auch ohne aktive Kampagne. Genauer als jeder Durchschnittswert, den Dir irgendjemand nennt, uns eingeschlossen.
Marken- und Produktnamen werden ausschließlich beschreibend verwendet; die Rechte liegen bei den jeweiligen Inhabern. Die Angaben dienen der allgemeinen Orientierung und ersetzen keine Media-, Steuer- oder Rechtsberatung. Stand: 18.08.2026.
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